DGM Mühlen
Startseite>

Statement des Thüringer Landesvereins für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde e.V.

Windmühlen und ihr Umfeld

Im klassischen Land der Windmühlen, den Niederlanden, gibt es schon seit vielen Jahren in den Listen der Windmühlenstandorte nicht nur eine Bewertung bezüglich der Funktionstüchtigkeit bzw. der Windgängigkeit sondern auch eine Einklassifizierung in Bezug auf das Umfeld der jeweiligen Mühle. Die Bewertung „Bio“ ordnet ein, wie gut die Mühle sichtbar ist, ob sie durch Gebäude oder anderen (Sicht-)Hindernisse eingebaut ist, ganz einfach, ob das Umfeld zur Mühle passt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch, ob die Mühle frei steht oder von umliegenden Bäumen oder hohen Büschen zugewachsen ist. Dies stellt auch bei Windmühlen in Deutschland zunehmend ein Problem dar. So sind beispielsweise in diverse Museen translozierte Windmühlen zwar oftmals „pro forma“ gerettet, da sie in den meisten Fällen am historischen Standort nicht erhalten werden konnten oder aus diversen Gründen verfallen wären. Doch gerade bei diesen Windmühlen treten die o.g. Probleme verstärkt auf.

Für Thüringer Windmühlen sind ähnliche Probleme bekannt und daher auch recht kritisch zu bewerten. So wurde z.B. die Kreutzsteinmühle aus Großenstein gerettet, in dem man sie in das nahegelegene Landwirtschaftsmuseum nach Crimmitschau, Ortsteil Blankenhain (Sachsen) umsetzte, doch dort wächst das Umfeld der Mühle leider so nach und nach zu. Eichen, die zur Zeit der Umsetzung nur niedriges Buschholz waren, sind jetzt stattliche Bäume und überragen die Mühle bereits um einige Meter. Somit steht die Mühle nunmehr an einen völlig Windmühlen-untypischen Standort im Wald, was dem Charakter der Windmühle enorm schadet.

Weitere Beispiele sind die Turmwindmühle von Weißensee. Die Bewohner des Mühlengrundstückes sind zwar sehr aktiv und auch bemüht, das Umfeld in einem Windmühlen-typischen Zustand unverbaut zu belassen. Doch der Wald auf dem fremden Grundstück in der Sicht zur Mühle und auch noch in der Hauptwindrichtung West ist nach und nach zum Sichthindernis geworden. Bei den zuständigen Behörden der Stadt Weißensee wäre ein besseres Verständnis für dieses Problem sehr wünschenswert. Leider fehlt hier die Weitsicht auf die Mühle und das wegen fehlender Weitsicht der zuständigen Behörden, also Weitsicht im doppelten Sinne. Die Mühle bekäme somit in der niederländischen Umfeld-Bewertung schlechte Noten.

Weitere negative Beispiele sind der Bewuchs um die Bockwindmühle von Schillingstedt. Eine anfänglich als Buschhecken-Bepflanzung gedachte Umrandung des Mühlengrundstückes versperrt die Sicht auf die Mühle, leider auch hier wieder von der Wind-Seite und damit auch Hauptblickrichtung von der Hauptstraße. Ein Radikal-Rückschnitt wäre hier nicht nur wünschenswert sondern dringend angeraten.

Auch in Krippendorf wächst die Bockwindmühle leider von der Windseite so nach und nach zu, was als sehr schade zu beurteilen ist. Heckenpflanzungen, die höher als 2 Meter wachsen sind daher als sehr problematisch zu bewerten. Zu beobachten ist dies auch bei dem Wildwuchs an der Bockwindmühle von Lumpzig, hier allerdings auf der Ostseite.

Früher, als die Windmüller den Wind als „wichtigstes Gut“, ja sogar als existenziell betrachteten, wären sie energisch dagegen eingeschritten und gegen Jedermann, der ihnen den Wind „abschneidet“ gerichtlich vorgegangen. Nie hätte sich der Windmüller eine Hecke, und sei sie noch so niedrig, vor seine Mühle gesetzt.

Ein zweiter Aspekt, der bei der sensiblen Betrachtung des Umfeldes einer Windmühle, eine nicht unbedeutende Rolle spielt, ist die Verwirbelung des Windes auf Grund zu nahe stehender Gebäude oder auch zu nahen Bewuchses. Die Kräfte, die durch unkontrollierbare Verwirbelung des zur Windmühle strömenden Windes auftreten, sind geeignet um im ungünstigen Fall zu ernsthaften Beschädigungen am Mühlengebäude oder zumindest am Flügelkreuz führen zu können.

Ob ein Bruch der Heckscheide im Sommer 2024 am Vorderzeug einer Rute an der Windmühle in Krippendorf auf diese Verwirbelungen, die dort zweifellos hinter dem Buschwerk entstehen, zurückzuführen ist, bleibt ungeklärt. Es ist jedoch nicht auszuschließen. Erfahrungen an anderen Windmühlen im Bundesgebiet bringen hingegen mehrerer solcher Negativ-Beispiele.

Außerdem ist eine Windmühle eine Landmarke und damit auch ein wichtiger Orientierungspunkt im Gelände. Auch im Zeitalter des GPS spielt dieser Gesichtspunkt keine unwichtige Rolle.

Heute ist es so angedacht, dass jeder Ort, der noch eine attraktive Windmühle besitzt, diese doch auch dem Vorbeifahrenden als historische Sehenswürdigkeit, Technisches Denkmal und attraktive Landmarke schon von Weitem sichtbar präsentieren sollte. So ist es bedauernswert, dass sich einige dieser schönen Windmühlen leider hinter dichtem Buschwerk und Gehölz „verstecken“.

Die örtlichen Verantwortlichen sind dazu aufgerufen, diesen landschaftsprägenden Zustand der Windmühlen wieder herzustellen.

Um nicht nur Negativbeispiele zu benennen seien auch einige positive Windmühlenstandorte in Sachen Umfeld-Sensibilität genannt:

So achtete damals Hans Knapp an der Galerieholländerwindmühle in Linda bei Neustadt a.d. Orla sehr intensiv und akribisch darauf, dass ihm „nichts vor die Mühle gesetzt wird“. Auch an der Bockwindmühle von Klettbach ist man diesbezüglich, zumindest bisher, sehr sensibel, was sehr positiv zu bewerten ist. Gleiches trifft auf die Bockwindmühle von Ballstädt zu.

Stefan Bauch
Geschäftsführer TVM e.V.

Crimmitschau Ortsteil Blankenhain (Sachsen)

Weißensee

Blankenhain (Sachsen) - ehemals Kreutzsteinmühle Großenstein (Thüringen)

Schillingstedt